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Neue Themenfelder 2026

Christliche Erinnerungskunst und der Umgang mit ererbten Monumenten in Kirchen

Zwei unterschiedliche Schwerpunkte werden hier ab Mai 2026 in etwa monatlich fortgeschriebenen Beiträgen Gestalt annehmen. (Der ursprüngliche Beginn musste leider um ca. zwei Wochen verschoben werden.)

Das erste Thema der christlichen Erinnerungskunst schließt in vielerlei Hinsicht an das Thema von 2025: Michael Tippett und sein Oratorium “A Child of Our Time” an, geht allerdings bei der Werkbetrachtung in die Barockzeit zurück. Im Mittelpunkt wird eine Auseinandersetzung mit Georg Friedrich Händels “Israel in Egypt” (1737/38) stehen. Sowohl in Hinblick auf die damit von Händel entwickelte musikalische Gattung, den dabei verarbeiteten biblischen Stoff mit seiner soziokulturell in Gebrauch genommenen Bedeutung  als auch in Bezug auf Händels persönlich-biografischen Kontext der Werkproduktion lässt sich viel Spannendes dabei entdecken. 

Zum zweiten soll es hier um ein von den Nationalsozialisten in den Braunschweiger Dom St. Blasii eingebautes architektonisches Monument (Gruft), und mehr noch, um ein Projekt, dass sich für reflektiertes Erinnern – auch mit der Erweiterung durch angemessene künstlerische Mittel  – gehen. Dieses Projekt des Braunschweiger Nagelkreuzarbeitskreises befindet sich derzeit noch in der Planungsphase. Doch bis eine Autorisierung der Benennung von konkreten Umsetzungsideen vorliegt, ist es lohnenswert, sich etwas eingehender mit diesem baulichen Artefakt, seiner Geschichte und den damit verknüften ideologischen Konzepten zu befassen. 

In welcher Reihenfolge ich zum Schreiben der Beiträge kommen werden, muss sich erst noch zeigen. 

Antje Martina Mickan

 

 

G. F. Händel, die Exoduserzählung und das Oratorium Israel in Egypt

Eine musikalische Erzählung von Unterdrückung, göttlicher Gewalt und Befreiung

Die musikalische Gattung des Oratoriums hatte schon eine längere Entwicklung von Vorläufern hinter sich, als Georg Friedrich Händel 1738 mit der Arbeit an Israel in Egypt begann. Doch mit dieser Komposition erhielt das englische Oratorium eine neue Ausrichtung. Andererseits hatte aber auch Georg Friedrich Händel in dem benannten Jahr eine intensive Lebensphase hinter sich und eine Art Neubeginn lässt sich greifen. Aus praktisch-theologischer Sicht ist die Beschäftigung mit beiden Themen äußerst spannend. Denn in kaum einer musikalischen Gattung lässt sich eine Verflechtung von gelebter Religionspraxis mit Bezug zur Tradition biblischer Erinnerung derart greifen, dass über die Auseinandersetzung mit den Werken auch etwas über eine für viele anschlussfähige Frömmigkeit der jeweiligen Zeit zu erfahren ist. Und über die Persönlichkeit des Komponisten Händel ist erfreulicherweise so viel bekannt, dass ein Nachzeichnen von Erlebnissen möglich ist, die schlussendlich eine Befreiungserzählung konstituieren. Auch wenn es nicht zu beiweisen ist, dass Händel sein persönliches, auch religiös gedeutetes Erleben in diese Komposition mit einfließen ließ, so ist alles andere jedoch weder aus menschlicher noch aus musik-schöpferischer Sicht höchst unwahrscheinlich. 

Weil es für mich so vergnüglich ist, etwas über die Biografie Händels erfahren zu haben und mir auch dieser Basis den Komponisten bei seiner Arbeit an den einzelnen Teilen von Israel in Egypt vorzustellen, werde ich dieses Schwerpunktthema mit einem biografischen Abschnitt beginnen. Daran können sich Überlegungen zur Gattung des Oratioriums, eine Auseinandersetzung mit dem Werk und doch auch außerordentlich herausfordernden Stoff anschließen.

Mein Terminkalender gestaltet sich momentan leider etwas voller als erhofft. So muss ich dieses Schreibvorhaben ein weiteres Mal verschieben. Der erste Abschnitt wird hier im Laufe des Pfingstage 2026 erscheinen. 

Bis dahin möge ein Zitat aus Jan Assmanns Publikation zu Händel und seinem Oratorium “Israel in Egypt” einen kleinen Blick auf die Persönlichkeit des Komponisten, über die schon zu dessen Lebzeiten Biografisches erschien, vermitteln.

Händel war ein Original und eine in jeder Hinsticht starke Persönlichkeit; er wird als witzig, geistreich, humorvoll, gütig, großzügig, ungeduldig, aufbrausend und vollkommen unbekümmert um gesellschaftliche Konventionen beschrieben, beseelt von einem unbändigen Drang nach Unabhängigkeit, der ihn nie eine Ehe eingehen und eine feste Stelle annehmen ließ, was beides ihn seiner vermutlichen Vorstellung nach in seiner künstlerischen Freiheit eingeent hätte. Immerhin lebte er aber in dem Haus, das er 1723 mietete und bis zu seinem Tod bewohnte, nicht als Einsiedler, sondern in einer Wohn- und Produktonsgemeinschaft zusammen mit der Familie seines Bratschisten und Kopisten Johann Christoph Schmidt (John Christopher Smith sen.9 dessen ältestem Sohn gleichen Namens er Unterricht in Klavier und Komposition gab, und seinem Koch und Bassisten Gustav Waltz. …” (J. Assmann 2015, S. 18f.)

Antje Martina Mickan



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